Die Bindung in Komplexen

Die Bindung in Komplexen "ähnelt" der kovalenten Bindung. Bei nicht komplexen Verbindungen gehen meistens die s- und p-Elektronen eine Bindung ein. Bei den Komplexen sind die d-Elektronen beteiligt.
In der "Anfängerchemie" hat man erfahren, dass z. B. Metall-Kationen Ionenbindungen eingehen, um ihre elektrostatischen Valenzen abzusättigen. So bindet das Al3+-Kation die entsprechende Zahl Anionen. Das Aluminiumoxid bildet sich gemäß:
4Al  + 3O2  ---> 2Al2O3
Die Ionenschreibweise macht dies noch deutlicher:

4Al  +  3O2  ---> 4Al3+ + 6O2-

Wie ist aber die Bindung des vierten (?) Hydroxidions im Tetrahydroxoaluminat(III), [Al(OH)4]-, zu erklären? 
(Ganz allgemein lässt sich meistens eine Komplexbildung vermuten, wenn ein Atom mehr Bindungspartner bindet, als man dies nach seiner Ladung oder Stellung im PSE - Al, dritte Hauptgruppe - erwartet.)
Linus Pauling konnte mit seiner VB-Theorie der Komplexe (VB als Abkürzung für Valence Bond) die Struktur und die magnetischen Eigenschaften der Komplexe relativ befriedigend erklären. Das Zentralatom Z und der Ligand L bilden ein gemeinsames Orbital (--> Orbitaltheorie - zurück mit <zurück>), wobei sich die Orbitale des Zentralatoms und des Liganden überlappen. Dieses gemeinsame Orbital wird mit Elektronen besetzt. So entsteht eine chemische Bindung zwischen Zentralteilchen und Liganden. 
Ein Ligand L, der Elektronendonator, der mindestens ein freies Elektronenpaar besitzt, stellt dies zur Bildung einer koordinativen Bindung an das Zentralteilchen Z, dem Elektronenakzeptor, zur Verfügung --> eine Elektronenpaarbindung entsteht.

Diese Bindung ist mehr oder weniger polar. Liefert ein stark elektronegatives Element wie Fluor mit dem Fluoridion als Ligand ein Elektronenpaar, ist die Bindung polar --> Hexafluorokobaltat(III)-Anion / Cosmoplayer
Ist der Elektronendonator ein weniger elektronegatives Atom wie Kohlenstoff im Kohlenmonoxid, ist die Bindung unpolar --> Hexacarbonylkomplex  des Chroms.
Die VB-Modellvorstellung geht davon aus, dass freie Orbitale des Zentralteilchens die bindenden Elektronenpaare aufnehmen und mit dem Liganden ein bindendes Orbital bilden. Stark vereinfacht als Bild oder 139KB.avi.

Elektronenkonfiguration des Metallatoms in Metallkomplexen

Es fällt bei zahlreichen Komplexen auf, dass die Elektronen des Metallatoms oder -ions mit den "koordinierten" Elektronenpaaren der Liganden zusammen die Elektronenkonfiguration des im PSE folgenden Edelgases ergeben ("Edelgasregel").

Im Nickeltetracarbonyl, Ni(CO)4,erreicht Nickel die "Kryptonschale".

Im Chromhexacarbonyl, Cr(CO)6, erreicht Chrom die "Kryptonschale".

28e-  + (4  *  2)  = 36 e-

24 e-  +  (6  *  2)  = 36 e-

Ni(CO)4 Cosmoplayer

Cr(CO)6 Cosmoplayer


Die Edelgasregel erklärt aber nicht alle Befunde. Die VB-Methode liefert dagegen für das magnetische Verhalten der Komplexe eine Erklärung. Das Zentralatom bildet bei der Komplexbildung Hybridorbitale, die durch die Hybridisierung von Atomorbitalen (zurück mit <zurück>) entstanden sind. Unter dieser Hybridisierung kann man sich vereinfacht ein "Vermischen" der Valenzorbitale (---> C-Atom in Kästchenschreibweise) vorstellen.
Beim  Hexaaquaeisen(III)-Kation (Cosmoplayer)
 - [Fe(H2O)6]3+ - spricht man von einem "high - spin - Komplex", weil eine hohe Anzahl ungepaarter Elektronen vorliegt; womit das magnetische Verhalten dieses Komplexes erklärt ist.
Das eine 4s, drei 4p Orbitale sowie zwei der 4d-Orbitale gehen eine Hybridisierung ("Vermischung") ein. Daraus resultieren sechs oktaedrisch gerichtete d2sp3-Hybridorbitale. Jedes dieser Orbitale wird mit jeweils zwei Elektronen der H2O - Liganden besetzt. So entsteht eine Bindung zwischen dem Zentralion und den sechs Wassermolekülen, das [Fe(H2O)6]3+.
---> Kästchenschreibweise 
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Im Hexacyanoferrat(III) ( Cosmoplayer) -  [Fe(CN)6]3- - hat das Fe3+-Ion nur noch ein ungepaartes Elektron, was das magnetische Verhalten bestätigt. Ein solcher Komplex wird als "low - spin - Komplex" genannt. Die ungepaarten Elektronen im 3d-Orbital werden vor der Bildung des Komplexes gepaart, so dass im 3d-Orbital nur ein ungepaartes Elektron übrigbleibt. Zwei der fünf 3d-Orbitale sind nun unbesetzt. Es werden die beiden leeren 3d-Orbitale, das 4s- und die drei 4p-Orbitale hybridisiert und die resultierenden sechs d2sp3-Hybridorbitale binden oktaedrisch sechs Liganden. 
--->
Kästchenschreibweise [Fe(CN)6]3-  
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[Fe(CN)6]3- und  [Fe(H2O)6]3+ bilden jeweils eine d2sp3-Hybridisierung und damit einen Oktaeder. Aber beim Hexaaqua-Komplex sind 4d-Orbitale und beim Cyano-Komplex  3d-Orbitale an der Komplexbindung beteiligt.
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